Mit dem Van ans Nordkap – 2 Wochen eisige Kälte und wilde Natur

Alter Finne, das sind -19°C auf unserer Reise im Van ans Nordkap

Während dieser Teil des Beitrags entstand und Kathy am Steuer saß, stellten wir fest, dass wir uns wirklich anstrengen mussten die ganzen Eindrücke geordnet wiederzugeben. Manche Ereignisse musste man nochmal zusammen durchgehen um nichts zu vergessen, oder sich überhaupt zu erinnern. Eigentlich war das total verrückt, da 70-80% dieses Trips aus Fahren und dem allmorgendlichen Prozedere im Van bestand. Und dennoch waren es bis hierhin ganz viele kleine und große Erlebnisse, die man im ersten Moment als selbstverständlich erachtet hat.

Wir wurden bei unseren Morgenritualen bereits extrem professionell und hatten recht schnell unsere festen Abläufe nach dem Aufstehen entwickelt. Was bei normalen Temperaturen einfach zu bewerkstelligen ist, braucht bei Kälte und Schnee wesentlich mehr Koordination, sonst fällt Dir vor dem Van nicht nur die Nase ab.

Jeden Morgen durchliefen einen bestimmten Plan. Zuerst wurde das Bett im Van zurückgebaut, dann die Badematten von den Scheiben des Fahrerhauses eingesammelt und der Van gestartet. Die warme Luft aus dem Gebläse enteiste die Scheiben während der Wasserkocher ausreichend Strom bekam um das Wasser für den Kaffee aufzubrühen. Wir begannen in der Zwischenzeit die Sachen vom Vorabend und der Nacht zu verstauen.

Dabei stand immer einer vor dem Van, weil es für zwei Personen schlichtweg zu eng war. Da Kathy recht klein ist, übernahm sie das Gewusel in unserem kleinen Wohn-/Schlaf-/Esszimmer. Zudem hatten wir uns angewöhnt nach Möglichkeit in der Nähe einer Toilette zu parken. Es war einfach ein besseres Gefühl, wenn man nach dem Aufstehen die Möglichkeit hatte, kurz ins “Bad” zu gehen und sich frisch zu machen. Zum Glück waren viele der öffentlichen Toiletten auf unserer Strecke beheizt und meist recht sauber, weshalb wir auf der Reise mit dem Van ans Nordkap recht entspannt in den Morgen starten konnten.

Immer die Frage:”Wie ist der Plan für heute?”

Wir hatten weder Streckenpunkte noch Etappen im Vorfeld geplant. Fest stand nur, dass wir mit dem Van ans Nordkap wollten. Da wir absolut planlos und vielleicht auch etwas blauäugig los fuhren sind, wussten wir auch nie in welcher Stadt oder sogar in welchem der nordischen Länder wir am nächsten Morgen aufwachen würden. Unser Ziel für diesen Tag lautete somit spontan Finnland.

Mit dem Van ans Nordkap - 2 Wochen eisige Kälte und wilde Natur

Nachdem wir von unserem letzten Übernachtungsplatz in Killingsnäs bereits 500km quer durch Schweden gefahren waren ging es ein ganzes Stück auf der schwedischen Seite des Saaripudas entlang. Wir sahen leider nicht viel von der Umgebung, denn je näher wir an den Polarkreis kamen, umso kürzer wurden die Tage. Inzwischen war es schon um halb drei dunkel und unser Zeitgefühl gaukelt uns vor müde zu sein. Genau genommen fühlten wir uns, als sei es bereits 21:00 Uhr.

Auch das Wetter hatte sich während der letzten 200km verändert. Wir hatten die ganze Zeit auf die Temperaturanzeige geschaut und konnten mit den Kilometern die wir zurücklegten den Außentemperaturen beim Fallen zusehen. So waren wir von anfänglichen -3°C auf inzwischen -17°C gekommen. Wenn man die Scheiben berührte, merkte man welche Kälte hier in das Innere des Fahrzeugs übertragen wurde.

Mit dem Van ans Nordkap - 2 Wochen eisige Kälte und wilde Natur

Während der Schnee immer höher und die Außentemperatur immer niedriger wurde, teilte uns die freundliche Stimme aus dem Navi mit, dass wir rechts abbiegen sollen. Wir fuhren auf eine kleine Brücke zu, an deren Ende ein verschneites Schild stand. Tatsächlich konnten wir erst wenige Meter davor erkennen, dass es sich um das Grenzschild nach Finnland handelte.

Mit dem Van ans Nordkap - 2 Wochen eisige Kälte und wilde Natur

Etwas ernüchtert musste an den bombastischen Empfang bei der Einreise von Deutschland nach Dänemark zurückdenken. Eine spektakuläre Lichtshow und ein Aufgebot was einem Grenzübergang würdig war, auf unserer Reise mit dem Van ans Nordkap. Auch beim Grenzübertritt von Dänemark nach Schweden hatten sie sich die Mühe gemacht Menschen in die Kälte zu stellen. Aber hier in Finnland gab es nicht einen Menschen, der auf ein paar verrückte Deutsche auf dem Weg mit dem Van ans Nordkap wartete. Also fuhren wir einfach unbeeindruckt weiter, winkten dabei freundlich in die Kamera am Grenzschild und befanden uns offiziell in Finnland.

Ein geeigneter Schlafplatz bei -19°C

Während man links und rechts die Bäume mit Unmengen von Schnee bedeckt sah, sucht Kathy über Park4Night einen geeigneten Schlafplatz auf unserer Route. Hier zeigt sich ein entscheidender Nachteil beim Freistehen im Winter. Viele der Plätze in den nördlichen Ländern sind auf Feldwegen oder Seitenstraßen befahrbar. Leider sind diese meist nicht geräumt und die Gefahr mit dem Van irgendwo im Schnee stecken zu bleiben ist groß. Zudem findet man in Finnland nur wenig Plätze, die in der App verzeichnet sind. Kein Wunder, kann man sich im Sommer eigentlich an jeden öffentlichen Platz zum Campen stellen.

Als Alternative für einen abgelegenen Platz im Wald entschieden wir uns für eine Kleinstadt auf unserem Weg. Wir benötigten ohnehin einen Supermarkt der geöffnet hatte, um ein paar Lebensmittel und Wasser einzukaufen. Also fuhren durch die verschneiten Straßen in Kolari und suchten einen geeigneten Platz zum Übernachten. Ich persönlich mag es bis heute lieber etwas versteckter, während Kathy auch gerne in Städten auf ganz normalen Parkplätzen stehen bleibt.

Wir fuhren vom einen Ende zum anderen und entschieden uns schließlich für einen großen Parkplatz vor einem ehemaligen Supermarkt. Als wir auf den Platz fuhren drehten die Reifen des Vans durch und der Schnee knirschte so laut unter den Reifen, dass wir es trotz geschlossener Fenster deutlich hörten. Auf dem Platz gab es offensichtlich schon lange keinen Winterdienst mehr.

Wir suchten uns eine etwas dunklere Ecke und rangierten so, dass die Schiebetür zu einem kleinen Schneehügel zeigt. Etwas Privatsphäre muss schließlich sein und machte das ganze schon viel gemütlicher. Eigentlich war es aber auch völlig unnötig, da direkt vor unserem Schlafplatz die Hauptstraße des Dorfes verlief und man sich schon anstrengen musste uns zu übersehen.

Schnell den Van umbauen, fertig ist unser Zuhause

Da wir die letzten Tage mehr von kaltem und schnellem Essen gelebt hatten, fanden wir, dass es an der Zeit war mal wieder etwas aufwändiger im Van zu kochen. Wir schalteten die Standheizung ein und drehten den Wärmeregler auf Anschlag. Die -19°C fühlten sich zwar nicht ganz so kalt an wie gedacht, trotzdem kalt genug um den Van ohne Heizung sehr schnell auskühlen zu lassen.

Mit dem Van ans Nordkap - 2 Wochen eisige Kälte und wilde Natur

Kathy hatte Lust auf Eintopf. Tatsächlich hatten wir auch nicht viel mehr als einen Topf und einen Gaskocher. Also holten wir alles, was wir zum Kochen brauchten, aus den Staufächern unter der Sitzfläche hervor. Der Gaskocher kam auf den Tisch und schon konnte es losgehen.

Ich weiß nicht was Kathy alles in den Topf geworfen hat, aber sie sagte es sei ein italienischer Eintopf. Das bedeutet bei Kathy nichts anderes als, dass alles was da ist verarbeitet wird. Während der Topf vor sich hin köchelte, baute ich das Handy auf ein Dreibeinstativ und schaltete bei Youtube die Iceroad-Trucker ein. Aus irgend einem Grund hatte ich den ganzen Tag während der Fahrt das Bedürfnis diese Doku zu schauen.

Nachdem wir den leckeren Eintopf gegessen hatten, schauten wir noch einen Film und machten uns dann fertig für’s Bett. Noch schnell alles aufräumen, die Sitzfläche umbauen und ab gings ins finnische Land der Träume.

Schnee, überall Schnee!

Mit dem Van ans Nordkap - 2 Wochen eisige Kälte und wilde Natur

Als ich am nächsten Morgen aus dem Van stiege, stand ich kniehoch im Schnee und freute mich wie ein kleines Kind. Es sah einfach großartig aus, wenn alles verschneit war und man es bei Tageslicht erlebte. Während ich noch völlig gebannt von dem Winterwunderland war, realisierten wir, dass sich unser Schlafplatz nicht nur direkt an der Hauptstraße sonder gegenüber einer Apotheke befand, die offensichtlich an diesem Tag alle Einwohner der Stadt anlockte.

Wir machten rasch Kaffee, während uns die Apothekenbesucher freundlich ignorierten und zogen gewohnt unsere Morgenroutine durch. Wir wollten auf unserer Reise mit dem Van ans Nordkap den kurzen Tag nutzen und uns etwas vom Pallas-Yllästunturi-Nationalpark anschauen. Hier sollten wir auf die wilde Natur Finnlands stoßen.

Hast Du schon mal bei extremer Kälter im Auto übernachtet und kannst Du Dir vorstellen absolut planlos zum Nordkap zu starten? Lass uns an Deiner Meinung und Erfahrung teilhaben und schreibe es in die Kommentare.

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