Mit dem Van ans Nordkap – 2 Wochen eisige Kälte und wilde Natur

Gott ist das süß, gibt’s das auch in der Dose?

Als wir Kolari verlassen ist unser Ziel der Pallas-Yllästunturi-Nationalpark. Da der gesamte Nationalpark aber rund 1.020 km² groß ist, entscheiden wir uns dafür Särkijärvi anzusteuern.

Wir fuhren an diesem Tag tatsächlich beim Hellen über die verschneiten Landstraßen Finnlands. Ich saß am Steuer, Kathy auf dem Beifahrersitz. Meine Anweisung war klar und deutlich: “Kathy, wenn wir Rentiere sehen, lass alles fallen! Nimm Dein Handy und halt drauf was der Auslöser hergibt!”

Wir fuhren nach dieser Aussage noch ungefähr 20 Minuten, als es neben mir aufschreit. Irgendwas flog durch den Van und Kathy saß mit gezücktem Handy auf ihrem Sitz. Ich hatte es in der Ferne nicht mal richtig gesehen. Unser erstes Rentier! Weiß, klein etwas unscheinbar…aber eben ein echtes Rentier.

Mit dem Van ans Nordkap - 2 Wochen eisige Kälte und wilde Natur

Als ich es dann endlich erkennen konnte, schalte ich schnell den Warnblinker ein und gebe dem Gegenverkehr ein Lichtzeichen. Ganz unbeeindruckt stand es dort, mitten auf der Straße. Während es zu uns schaute entfuhr Kathy und mir gleichzeitig ein “oh ist das süß”.

Wenige Meter vor dem kleinen Ding kam unser Van zum Stehen. Ich hörte rechts neben mir das Handy klicken, wieder und wieder. Ebenso entspannt wie es auf der Straße stand trappte es nach ein paar Minuten weiter durch den Schnee. Wir waren begeistert und schauten hinterher, wie es im Wald verschwand.

“Ähm, can I use the shower?”

Wir bogen in die Straße Richtung Nationalpark ein. Tatsächlich waren wir etwas später dran als gedacht. Es dämmerte schon, als wir ein paar Kilometer auf der Nebenstraße fuhren und an einem Parkplatz vorbei kamen. In einer etwas größeren Hütte brannte Licht und ein paar Autos parkten davor. Während wir daran vorbei fuhren überlegen wir uns, ob wir nicht ganz kurz schauen sollten, was es in der Hütte so gab. Also drehten wir um und führen zurück zu der einzigen Hütte mitten im Nationalpark vor der Autos parkten.

Mit dem Van ans Nordkap - 2 Wochen eisige Kälte und wilde Natur

Nein, das ist nicht die Hütte, sondern die Hütte vor der Hütte. Wir fanden dieses Motiv so schön, dass ein Bild gemacht werden musste.

Mit dem Van ans Nordkap - 2 Wochen eisige Kälte und wilde Natur

Eigentlich kennt man diese Art Läden aus amerikanischen, kanadischen oder australischen Filmen. Menschen fahren für Stunden durchs Outback und kommen an die einzige Tankstelle für die nächsten 1000 Meilen. Ein bärtiger Mann mit verschwitztem Feinrippunterhemd und Hillbilly-Frisur begrüßt eher unfreundlich alle Neuankömmlinge. Und ihr werdet euch wundern. Die Dame hinter der Theke hatte zwar kein Feinrippunterhemd an, aber der Rest war relativ identisch, selbst das mit dem Bart.

Da wir aber nun schon mal da waren, blieben wir auch. Wir bestellten uns einen Kaffee. Die Dame kassierte ab und versucht uns mit ein paar Gesten klar zu machen, dass wir uns so viel Kaffee nehmen konnten, wie wir möchten. Schon ist mir der Laden mit der etwas speziellen Besitzerin sympathisch gewesen.

Mit dem Van ans Nordkap - 2 Wochen eisige Kälte und wilde Natur

Damit hatte sie vermutlich nicht gerechnet. Laptop raus und Kaffeeflat bis kurz vorm Rauswurf ausgereizt. Naja ganz so schlimm war es nicht, aber wir entschieden eine Weile dort zu bleiben und etwas das Internet zu nutzen. Wir fühlten uns eigentlich ganz wohl, auch wenn die Inneneinrichtung irgendwie gewöhnungsbedürftig war. Überall hingen und standen Dinge, die zu verkaufen waren. Und hinter der Theke stand ein Kühlschrank mit Glasfront, in dem einige Fleischstücke zum Verkauf lagen.

Und dann ist da halt einfach so ne Dusche

Kathy ging nach ein paar Schlücken Kaffee erstmal einmal das “Bad” testen und als sie mit einem fetten Grinsen im Gesicht wieder auftauchte wusste ich, dass sie gefunden hatte, wonach sie schon seit zwei Tagen suchte. Sie hatte schon den ganzen Tag auf eine Dusche gehofft und in einem kleinen Bad in diesem Laden hing ein Duschschlauch einfach so an der Wand.

Sie ging aufgeregt zur Besitzerin, die etwas verwundert schaute als Kathy sie nach der Dusche fragte. Allerdings schaute sie nicht wegen der Frage irritiert, sondern weil weder Kathy noch die Besitzering gescheit Englisch sprechen konnten und die Dame hinter der Theke keinen Schimmer hatte, was das irre Mädel von ihr wollte.

Kathy setzte ihr freundlichstes Lächeln auf, nahm die Besitzerin mit auf die Toilette und zeigt ihr mit Händen und Füßen, was sie gerne haben würde. Kein Problem in Finnland! Selbstverständlich konnte Kathy auf der einzigen Toilette in dem kleinen Laden, der dennoch recht gut frequentiert war, eine Dusche nehmen. So läuft das eben im Outback.

Während eine Mutter mit ihren zwei Kindern aufs Klo ging, flitzte Kathy schnell an den Van und kam kurz darauf mit einem Handtuch, neuen Klamotten und ihrer Duschtasche zurück. Ich freue mich, dass sie allen Anwesenden die Badeschlappen erspart hat. Als sie dann endlich ins Bad konnte dauerte es etwa fünfzehn Minuten bis sich ein wirklich glücklich und zufriedener Mensch zu mir an den Tisch setzte. Ich ging danach aufs Klo und kam lachend zurück.

Die Dusche, die Kathy gefunden hatte war wirklich nur ein Duschschlauch auf einer kleinen Toilette mit Pissoir. Trotzdem war es für Kathy eines der Highlights des Tages.

Eben noch auf der Straße, jetzt schon in der Dose.

Wir nahmen uns einen weiteren Kaffee und schauten was der Laden an Lebensmittel zu bieten hatte. Was wir kurz vorher noch auf der Straße fotografiert hatten, gab es nun in verschiedenen Variationen. Rentiergulasch, Rentierbrotaufstrich, Rentiersalami, Rentier in Käsepaste und die ganzen Fleischstücke in dem Kühlschrank, Rentier.

Auch wenn mich nun alle Tierliebhaber, alle “oh ist das süß”-Sager, Veganer und Vegetarier dafür hassen werden, wir haben uns das komplette Sortiment gegönnt. Wir kauften alles mit Rentier, was man im Van ohne Kochaufwand essen konnte. Und ich kann euch sagen, die Rentiersalami war wirklich der Hammer, fast so wie die Preise für die einzelnen Sachen.

Nachdem wir nun auch die Besitzerin mit unserem Umsatz für das Duschen entschädigt und etwas zum Lächeln gebracht hatten, war es Zeit aufzubrechen. Als wir vor die Tür traten war es, wie konnte es auch anders sein, dunkel und natürlich kalt. Aus unserem Spaziergang im finnischen Nationalpark wurde ein gemütlicher Nachmittag mit Kaffee und dem Schreiben eines weiteren Artikels für diesen Blog.

Wir schauten auf dem Navi, wie wir nun am besten weiterkommen. In Finnland bis zum nächsten Tag zu warten wäre Unsinn, denn wir würden recht viel Zeit verlieren und könnten ohnehin nicht viel machen. Deshalb entschieden wir uns weiter nach Norwegen zu fahren und in Alta, der größten Stadt vor dem Nordkap, zwei Tage zu verbringen. Danach wollten wir die letzte Etappe mit dem Van ans Nordkap antreten.

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