Mit dem Van ans Nordkap – 2 Wochen eisige Kälte und wilde Natur

Einen Platz direkt am Strand


Je länger man auf den Straßen unterwegs ist und an den verschiedensten Orten Halt macht, umso mehr wünscht man sich auch Momente in denen man sich an einem Ort zu Hause fühlt.

Als wir den Pallas-Yllästunturi-Nationalpark in Finnland verlassen ist es bereits dunkel, wie konnte es auch anders sein. Finnland ist war wunderschön, aber wir hatten die Kürze der Tage gepaart mit einer Stunde Zeitverschiebung deutlich unterschätzt. So gerne wir uns auch noch ein paar Ecken in der Region bei Tageslicht angeschaut hätten, wir mussten weiter.

Wir öffneten unsere Karte und überlegten was ein geeigneter Ausgangspunkt vor der letzten großen Etappe auf der Reise mit dem Van ans Nordkap wäre. Da wir nun schon sechs Tage unterwegs waren und im Schnitt täglich fünfhundert Kilometer fuhren, entscheiden wir uns für die norwegische Stadt Alta um zumindest zwei Tage eine Pause einzulegen.

Knappe vier Stunden Fahrt wurden uns angezeigt, als wir um 15:30 Uhr vom verschneiten Parkplatz losfahren. Kathy fühlte sich nach der Dusche auf der Toilette in dem kleinen Laden taufrisch und klemmte sich hinter das Steuer. Ich saß auf dem Beifahrersitz, hatte den Laptop vor mir und versuchte einen weiteren Artikel unseres Blogs fertigzustellen. Die nächsten 4 Stunden erwarteten uns anspruchsvolle Straßenverhältnisse und entgegenkommende Autos, die mit zusätzlichem Fernlicht vor dem Kühlergrill das fehlende Tageslicht zu ersetzen versuchten. Im Gegensatz zu den Lichtinstallationen der Einheimischen wirkte unser Fernlicht, als hätten wir zwei Teelichter in die Scheinwerfer gestellt.

Schlechte Straßen und Gigaliner erschweren das Vorankommen.

Mit dem Van ans Nordkap - 2 Wochen eisige Kälte und wilde Natur

Während wir mit unseren romantischen Teelichtern in den Scheinwerfern versuchten die Wälder links und rechts der Straße zu erhellen, verwandelte sich die Straße auf der wir fuhren immer mehr in eine Holperstrecke. Uns war schon beim Übergang von Schweden nach Finnland aufgefallen, dass gerade die Straßenränder immer schlechter werden. Nun schien aber die gesamte Straße unter den überlangen Lastwagen und dem Frost gelitten zu haben.

Neben den Straßenschäden führte der Schnee, den die sogenannten EuroCombis mit ihren über 25 Metern Länge und sechzehn Rädern aufwirbelten zur absoluten Blindheit. Jedesmal, wenn wir in der Ferne einen der Sechzigtonner kommen sahen, bremsten wir auf Schrittgeschwindigkeit um danach die Scheibe wieder frei machen zu können ohne von der Straße ab zu kommen.

Anfänglich hatte es etwas geschneit. Hatte man den Dreh mit den Straßenverhältnissen aber erst einmal raus, konnte man ganz normal mit 100km/h auf den Landstraßen vorankommen. Je näher wir aber dem Gebirgspass von Masi nach Eiby kamen, umso wärmer wurde es. Dies führte dazu, dass aus dem anfänglichen Schneefall nun Regen wurde. Das Wasser gefror sofort auf dem Schnee, der die Fahrspur bedeckte und bildete eine unberechenbare Eisfläche.

Eine Schrecksekunde auf dem Gebirgspass

Ich konnte mich nicht mehr auf das Schreiben konzentrieren. Die Straßenverhältnisse waren schlechter als erwartet, dazu kamen Dunkelheit und Glätte. Den schwierigsten Teil hatten wir noch vor uns. Der norwegische Gebirgspass, der uns aus Finnland kommend noch von Alta trennte.

Die Schranken, die bei schlechten Wetterverhältnissen vermutlich geschlossen sind, waren offen. Kathy wurde bei der Durchfahrt etwas langsamer und schaltet einen Gang zurück. Die Passstraße war enger als die Landstraße zuvor. An den Seiten erkannten wir, dass die Berge weit nach oben reichten, wahrend wir eine Kurve nach der anderen nehmen.

Wie man vermuten darf haben Auffahrten bei Passstraßen eine ganz spezielle Besonderheit, sie führen auch irgendwann wieder nach unten. Vorsichtig fuhren wir nach einer anspruchsvollen Auffahrt vom höchsten Punkt wieder Richtung Tal. Norweger und Finnen, die ungeduldig wurden, da wir vorsichtig versuchten die Passage zu durchqueren, gaben wir immer an geeigneter Stelle die Möglichkeit zu überholen.

Im Gegensatz zu einem normalen PKW muss man bei dem Van beachten, dass 2,5-3 Tonnen den Berg runter drücken. Bei glatten Straßen eine wirkliche Herausforderung. In einer scharfen Linkskurve passierte es dann. Kathy hatte nicht mit der Kurve gerechnet und der Van kam ins Rutschen und brach am Heck aus. Wir rutschten in der schräg abfallenden Kurve auf die Gegenspur und konnten uns gerade noch abfangen, nicht über die Leitplanke zu schlittern. Obwohl uns die ganze Zeit recht viel Verkehr entgegenkam, war genau zu diesem Zeitpunkt kein Auto in Sicht. In Sekundenbruchteilen schaffte es Kathy den Van abzufangen und wieder sicher in unsere Spur zu lenken. Wir hatten unfassbares Glück. Bei Gegenverkehr wäre ein Unfall unvermeidlich gewesen.

Es dauert einen Moment, bis wir beide wieder in der Lage waren zu sprechen. Das erste was wir sagten: “Das war aber knapp.” Wir setzten die fahrt noch etwas langsamer als zuvor fort und kamen ohne weitere Zwischenfälle in Alta an.

Unser Zuhause für die nächsten zwei Tage, erstmal umbauen hier!

Über Park4Night hatten wir einen passenden Platz in Alta gefunden, wo wir die Nacht verbringen konnten. In der Beschreibung las ich “Schöner ruhiger aussichtsreicher Platz nicht weit von Alta direkt am Wasser. Es gibt eine Toilette und eine überdachte Bank mit Feuerstelle. Mülltonne ist ebenfalls vorhanden.

Dieser Platz klang perfekt und war ein idealer Ausgangspunkt uns ein wenig die Stadt anzuschauen. Als wir von der Hauptstraße abbogen, kamen wir an ein paar Hafengebäuden vorbei und fuhren weiter durch ein kleines Wohngebiet. Wir waren von den traditionellen norwegischen Häusern sofort begeistert. Offensichtlich hatten sich nicht nur die kleinen Dörfchen und Städte durch die wir bisher gefahren sind, sehr viel Mühe bei der Weihnachtsdekoration gegeben. Jedes einzelne Haus, an dem wir nun vorbei fuhren war liebevoll dekoriert und stilvoll beleuchtet.

Wir bogen in einen Feldweg ein. Offensichtlich waren wir seit Tagen die ersten, die mit einem Auto zu diesem Platz fuhren. Als wir ein Stück weiter kamen, konnten wir schon das Meer sehen. Die Beschreibung von Park4Night hatte nicht zuviel versprochen.

Wir fuhren auf den großen Platz, der im Sommer wohl als Badestrand von den Einheimischen besucht wurde. Rechts sahen wir das kleine Toilettenhäuschen und vor uns eine offene Überdachung mit Feuerstelle. Die Nacht war sternenklar und durch die Stadtlichter im Hintergrund, die in den Himmel strahlten, angenehm hell. Kathy fuhr einen großen Bogen auf dem Platz und wir richteten den Van mit der Schiebetür auf der Beifahrerseite zum Meer hin aus. Als wir ausstiegen, hörten wir wie die Wellen ganz leicht ans Ufer brandeten.

Mit dem Van ans Nordkap - 2 Wochen eisige Kälte und wilde Natur

Einen Moment lang standen wir zusammen vor dem Van und schauten uns um. Rechts und links von uns ragten Klippen ins Wasser und vor uns, am Horizont, sah man einige Lichter die von der Stadt auf der anderen Seite kamen. Da wir schon seit zwei Tagen das Bedürfnis nach heißem Glühwein verspürt hatten, hatten wir unterwegs vorgesorgt. Im letzten Supermarkt in Finnland, hatten wir Glühwein eingekauft. Allerdings fiel uns erst jetzt auf, dass der Glühwein gar keinen Alkohol enthielt. Wir stellten ihn trotzdem auf den Gaskocher und rundeten ihn mit einem Schuss Vodka ab. Da wir wussten, dass es mit dem Alkohol in Skandinavien etwas kompliziert werden würde, hatten wir eine Flasche für Silvester mitgenommen. Allerdings war jetzt ein ebenso guter Zeitpunkt sie zu öffnen.

Jetzt machen wir den Platz zu unserem Zuhause.

Während Kathy im Van die Frontscheiben abdeckte und die Sachen, die wir nicht brauchten auf die Sitze im Fahrerhaus räumte, holte ich die Stühle aus dem Kofferraum. So wie manche Hotelgäste ihre Liegen mit Handtüchern markieren, fühlt sich das Aufstellen der Stühle immer wie ein geheimer Akt der Machtübernahme eines kleinen Gebiets an. So fühlte ich mich nach dieser langen Reise bis hier als ich die Stühle in Alta aufklappte und murmelte leise: “Ein kleiner Schritt für mich, aber ein großer…”

Kathy gab mir die Kerzen aus dem Van. Ich stellte sie in einem Halbkreis zwei Schritt weit von unseren Stühlen auf. Der Gaskocher stand in der Mitte und köchelt langsam unseren Glühwein auf Arbeitstemperatur.

Mit dem Van ans Nordkap - 2 Wochen eisige Kälte und wilde Natur

Während wir unseren Glühwein trinken und in den Himmel blicken, läuft im Hintergrund über die Bluetoothbox chillige Musik und wir sind überglücklich nun zwei Tage an diesem Platz zu bleiben bevor es auf unserer Reise mit dem Van ans Nordkap weiter ging.

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