Mit dem Van ans Nordkap – 2 Wochen eisige Kälte und wilde Natur

In einem Hotel unbezahlbar, für uns mit dem Van ans Nordkap All-Inklusive.

Mit dem Van ans Nordkap - 2 Wochen eisige Kälte und wilde Natur

Als wir am nächsten Morgen nach dem Aufwachen die Seitentür des Vans einen Spalt öffneten, waren wir für einen kurzen Moment sprachlos. Vor unserer Haustür breitete sich eine atemberaubende Landschaft aus, deren Mittelpunkt eine kleine Bucht bildete. Das Licht und die Farben in diesem Teil der Erde waren einfach unglaublich.

Obwohl es nicht richtig hell wurde, strahlte das Weiß des Schnees und das Blau des Meeres unglaublich satt. Dabei wurden gleichsam die hellen und satten Farben von den Brauntönen des Steinstrandes, der Berge und der Gräser wunderschön konturiert.

Ich holte meinen Pulli und meine Hosen, die ich vorne auf dem Fahrersitz aufbewahrte. Zugegeben, manchmal fehlte bei dem Van schon etwas die Stehhöhe. Grundlegend war es aber okay im Sitzen seine Sachen anzuziehen und dann alles zu richten, wenn man vor dem Van stand. Noch schnell Schuhe, Mütze und Jacke und schon war es wieder warm. Obwohl es an der Küste verhältnismäßig mild war, hatte es an diesem Tag -2°C und mit etwas Wind fühlte es sich auch schnell mal nach -8°C an.

Mit etwas Kraftaufwand fuhr die leicht vereiste Seitentür zurück. Als ich vor den Van trat merkte ich, dass der gestrige Abend mit Musik und eigens kreierten Tänzen unter dem Einfluss des leckeren, selbstgemischten Glühweins nicht ganz spurlos vorüber gegangen war. Ich drehte mir eine Zigarette, während es sich Kathy mit der Decke auf dem Bett an der Tür gemütlich machte. Sie schaute aus dem Van und genoss einfach die wunderschöne Umgebung. Einen ganzen Moment redete keiner von uns ein Wort, wir schauten einfach aufs Wasser und waren ein Teil dieser unfassbaren Ruhe.

Zugegeben, wir hatten etwas länger geschlafen als sonst

Ein Nachteil an unserer Idee mit dem Wasserkocher war, dass die Spannung der Zusatzbatterien recht schnell nachließ. Die beiden Kaffee am Morgen mussten aber trotzdem sein, also starteten wir den Motor des Vans, damit der Stromwandler nicht anfing wie wild rot zu blinken und einen permanenten Warnton von sich zu geben. Was dabei etwas unangenehm war, waren die Dieselabgase, die sich in der kalten Luft verbreiteten. Ohnehin nahm man bei Kälte diesen Geruch noch extremer wahr. Für den Sommer würde ich mir hier eine andere Lösung überlegen müssen, aber für unsere Reise mit dem Van ans Nordkap war es nun einmal so.

Während also der Wasserkocher blubberte, die Abgase der Standheizung und des laufenden Motors die Luft mit Fortschrittlichkeit erfüllten und wir uns fragten, ob wir irgendwann einfach bewusstlos neben dem Van liegen könnten, überlegten wir uns gleichzeitig den Plan für den heutigen Tag.

In Alta gab es ein Museum, was sich mit Felszeichnungen aus der Steinzeit beschäftigte. Heute war es leider schon etwas spät dafür, da es noch ca. eine Stunde hell sein würde. Morgen wollten wir diese Sehenswürdigkeit aber unbedingt mitnehmen, bevor wir uns endgültig auf den Weg mit dem Van ans Nordkap machten.

Mit dem Van ans Nordkap - 2 Wochen eisige Kälte und wilde Natur

Bis wir endlich startklar waren, dauert es heute noch eine Weile. Ein zweiter Kaffee, ein leckeres Frühstück aus dem Glas und nachdem wir beide die Badezimmertauglichkeit der Toilette im Holzverschlag an diesem Strand getestet hatten, konnte es schließlich los gehen. Wir steuerten direkt das Stadtzentrum von Alta an.

Inzwischen waren die Temperaturen extrem mild geworden. Als wir auf den großen Parkplatz vor einem Einkaufscenter fuhren, sahen wir auf einer Anzeigetafel, dass es inzwischen +2°C waren. Die Jacke blieb offen, während wir über den Platz zum Anfang der Fußgängerzone gingen. Als wir nach links abbiegen wollten, waren wir etwas erstaunt. Es war gerade halb drei, aber die Straßen waren menschenleer.

Mit dem Van ans Nordkap - 2 Wochen eisige Kälte und wilde Natur

Und falls Du gerade überlegst, dass es eine Seitenstraße sein könnte, kann ich Dir versichern, dass dies die zentrale Fußgängerzone der Stadt war. Keine Ahnung wir das hier im Sommer aussieht, aber auf unserer Reise mit dem Van ans Nordkap wirkte es schon etwas befremdlich.

Wo sind denn die ganzen Menschen?

Der Parkplatz, auf dem wir auch parkten, stand voll mit Autos. Aber wo waren die ganzen Menschen? Wir liefen ein Stück durch die Einkaufsstraße. Links neben uns befand sich das Einkaufscenter der Stadt. Im unteren Teil gab es zahlreiche Cafés, Bars und Restaurants in denen man sitzen konnte. Durch die Fenster, die zur Straße zeigten sahen wir, dass die Lokale sehr gut besucht waren. Vor uns öffnet sich eine Tür und wie aus dem Nichts huschte eine Mutter mit Kind über die Straße.

Als wir durch diese Tür in das Einkaufscenter gingen, herrschte reges Treiben. Das ganze Leben der Stadt schien sich auf diesen überschaubaren Raum zu konzentrieren. Zwei Etagen mit jeweils etwa fünfzehn Geschäften und Lokalen. Wir nahmen uns etwas Zeit und liefen sogar mehrere Male an den selben Läden vorbei, da die Aufteilung beim ersten Besuch etwas unübersichtlich erschien.

Nach einer Weile stellten wir fest, dass sich im Grunde Städte nie wirklich voneinander unterschieden und wenn auch in anderer Sprache oder Währung immer ein relativ identisches Konzept und Warenangebot zur Verfügung stellten. Bereits in Kopenhagen war uns das bei einem längeren Spaziergang durch die Stadt aufgefallen.

Wir verließen den Komplex wieder und gingen noch ein Stück die Straße entlang. Irgendwann tauchte am Ende der Einkaufsstraße ein Hallenbad auf. Leider hatte ich für den gesamten Trip keine Badehose eingepackt, obwohl ich Kathy zu Badekleidung geraten hatte. Aber wir überlegten uns, ob wir uns nicht morgen dort ein wenig frisch machen sollten. Zum Glück hatte das Hallenbad vorgesorgt und bot im Kassenbereich einen Shop mit allerlei Badebekleidung. Vermutlich speziell für Menschen wie mich, die ihre Badehose zu Hause gelassen hatten.

Für den Moment fühlten wir uns aber mehr nach einem leckeren Mittagessen in einem der Restaurants, als nach Hallenbadatmosphäre. Also suchten wir noch ein kleines Stück weiter und sahen vor uns eine imposant beleuchtete Kirche.

Mit dem Van ans Nordkap - 2 Wochen eisige Kälte und wilde Natur

Ohne zu wissen, dass es sich bei dem Bauwerk um die Nordlyskatedralen Alta Kirke handelt, musste ich spontan an eine Sekte denken, die die norwegische Stadt beherrschen musste. So eindrucksvoll und präsent wirkte das Gotteshaus. Als wir zum Eingang kamen, fand gerade eine Hochzeit statt und wir konnten es leider nur von außen bestaunen. Google ersetzte meine Phantasie über das modern anmutende Kirchengebäude mit Fakten. Die 2011-2013 erbaute Nordlichtkathedrale ist die größte Kirche in Alta und lehnt sich an den Namen Altas “Stadt der Nordlichter” an. Wieder was dazu gelernt und jetzt aber was essen.

Kulturteil erledigt, wo gibt es was Essbares?

Auch wenn man vermuten mag, dass ich der Hungrige in der Beziehung bin, ist es eigentlich Kathy. Das 1,59 große Mädel mit ihren 55kg hat eigentlich immer irgendwas zum Essen “für den Notfall” dabei. Auf die Frage, welcher Notfall denn eintreten müsse, damit wir Nahrung zum Überleben brauchen, habe ich bis heute noch keine befriedigende Antwort erhalten.

Wie es der Zufall aber will, hatte Kathy heute keine Naschereien für den Notfall in der Handtasche. Klar, im Van würde es noch etwas geben, aber ich merkte wie die Laune minütlich zu fallen begann. Wir machten uns spontan auf die Suche nach einem Café oder Lokal, um etwas gegen den Hunger zu unternehmen.

Es gab einen interessanten Zusammenhang zwischen einer leeren Fußgängerzone und den verfügbaren Plätzen in Restaurants, Cafés und Bars. Je weniger Menschen sich auf der Straße und in der Kälte befanden, umso mehr Menschen saßen logischerweise an den Tischen. Nach unserer dritten Runde an den Fenstern außen und den offenen Eingänge im Inneren des Einkaufscenters vorbei, gaben wir genervt auf. Einfach zu jemandem an den Tisch setzen wollen wir uns nicht und darauf warten, dass irgendwann etwas frei wurde ebenso wenig. Da die Umkreissuche auf Google ergab, dass offensichtlich alle anderen Lokalitäten in der Winterpause waren, entschieden wir uns für eine einfache und kostengünstige Alternative.

Miniraclette im Van mit dem schönsten Ausblick der Welt

Ganz ehrlich, wir kochten nur selten etwas Aufwändiges im Van. Aber mit dem Miniraclette war es tatsächlich ein Highlight. Ein weiterer Vorteil, das Teil wirkte gleichzeitig als Heizung, da die Heizstäbe einiges an Wärme abgaben. Dazu zwei Menschen bei geschlossenen Türen auf rund 6qm und die Standheizung konnte vorerst aus bleiben.

Mit dem Van ans Nordkap - 2 Wochen eisige Kälte und wilde Natur

Wir hatten also unseren kleinen Stadtbesuch in den Supermarkt verlegt und dank des Hungergefühls war alles in den Einkaufswagen geflogen, worauf wir gerade Lust hatten. Ich möchte auch an dieser Stelle nicht auf die Preise im Supermarkt eingehen. Sie unterschieden sich in jedem Fall erheblich von denen in Deutschland, damit musste man eben leben. Trotzdem ließ jeder Einkauf in den skandinavischen Ländern die Urlaubskasse enorm schrumpfen, selbst wenn man nicht viel im Einkaufswagen hatte.

Während unsere Fischfrikadellen mit Hähnchenstreifen oben und belegte Toastscheiben unten, vor sich hin racletteten, probierten wir schon mal den leckeren Krabbensalat. Zur Untermalung der Stimmung im Van dudelte aus der Bluetoothbox Musik und Irgendwie war die Stimmung perfekt. Gelegentlich öffneten wir die Seitentür und schauten etwas aufs Meer.

Ein großer Unterschied zwischen dem wohlverdienten Jahresurlaub im All-inc. Hotel und der Reise mit dem Van ans Nordkap bestand sicherlich darin, dass man nach dem Essen nicht einfach aufstehen und die Kellner den Rest erledigen lassen konnte. Vanlife war selbst an den Tagen, die man ruhiger angehen lässt immer mit einem gewissen Maß an Arbeit und Organisation verbunden. Das Spülen von Geschirr stellte dabei eine ganz besondere Herausforderung dar. Obwohl es ein kleines Spülbecken in der Küchenzeile gab, hatten wir bisher darauf verzichtet es zu benutzen. So auch an diesem Tag.

Kathy kochte etwas Wasser im Wasserkocher auf und schüttete es in eine faltbare Wanne, dazu etwas Spüli und kaltes Wasser, bis die Temperatur stimmte. Was sie gespült hatte, trocknete ich direkt ab und verstaute es im Van. Das ganze passierte bei geöffneter Seitentür und sowohl vor, als auch im Van. Schon erstaunlich, dass wir uns ohne große Abstimmung trotzdem nie in die Quere kamen, sondern es stets einfach auf Anhieb perfekt funktioniert hatte. In nicht einmal zehn Minuten war alles passiert und der Van sah wieder aufgeräumt aus.

Großes Kino auf kleiner Leinwand und Spaziergang

Man muss im Van schon etwas kreativ werden. Auch wenn ich bereits mein Internetkontingent nachbuchen musste, war die Verbindung egal wo wir bisher waren und mit dem Van standen, einfach unfassbar gut. Das war ich gerade beim Roaming in südeuropäischen Ländern zum Teil anders gewohnt.

Da selbst das Streamen von Filmen einwandfrei funktionierte, entscheiden wir uns dafür noch einen Moment auf dem Bett zu liegen und uns etwas Kino zu gönnen. Der Ton über meine Bluetoothbox war ziemlich gut, auch wenn der Bildschirm meines Handys etwas klein war. Ich hängte das Handy immer Kopfüber an einem Selfiestick mit Dreibeinfunktion an eine Leine, die zwischen Fahrer- und Beifahrersitzt gespannt war. Das war die perfekte Position, um hinten im Van bequem auf dem Bett zu liegen und dabei einen Film zu schauen.

Nachdem sich das Kinovergnügen für Vanreisende dem Ende näherte, kam von mir die inzwischen standardisierte Frage: “Und nun?” Kathy zählte einige Dinge auf, die wir nun noch machen könnten. Offensichtlich hatte sie aber nicht damit gerechnet, dass ich mich tatsächlich für den abendlichen Spaziergang durch das Wohngebiet am Rande von Alta entscheiden würde.

Wir zogen warme Sachen an und öffneten die Schiebetür. Inzwischen hatten sich ein paar Einheimische zu unserem Schlafplatz gesellt, die ein Lagerfeuer in der Grillhütte angefeuert hatten und sich offensichtlich gut und ausgelassen unterhielten.

Wir liefen aber lieber los und besichtigen zuerst ein Viertel mit Apartments, die direkt am Meer standen. Wunderschöne Wohnungen, die einen Balkon mit Blick aufs Wasser besaßen. Für die kältere Jahreszeit waren die Balkone mit Glasscheiben ausgestattet und sahen aus wie kleine Wintergärten.

Wir liefen weiter einen Berg hinauf und kamen zu einem dichter besiedelten Viertel. Jedes einzelne Haus war für die Weihnachtszeit liebevoll dekoriert. Die Holzfassaden und die gewählten Farben sehen unheimlich wohnlich aus. Die gewählte Weihnachtsbeleuchtung unterstrich meist die geschmackvolle Ästhetik der Häuser selbst.

Mit dem Van ans Nordkap - 2 Wochen eisige Kälte und wilde Natur

Jetzt noch ein perfektes Foto und dann gehts ins Bett

Nach knapp zwei Stunden hatten wir einen ganz schönen Weg quer durch den Vorort von Alta zurück gelegt und einiges gesehen. Neben den Häusern, die uns sehr faszinierten, war uns noch etwas aufgefallen. Fast jeder Norweger in diesem Wohnviertel hatte ein Wohnmobil in seiner Einfahrt stehen. Eigentlich wunderte es uns nicht, denn wer in einem Land wie Norwegen mit so viel beeindruckender Natur und der Möglichkeit überall mit seinem Wohnmobil parken zu können, lebte, der nutzte diese Möglichkeit selbstverständlich auch.

Als wir zurück zum Van kamen, saßen die Einheimischen noch beim Feuer und ein Pärchen hatte sich zu uns an den Strand gesellt. Mit einer Kamera auf einem Stativ im Schnee schauten sie aufgeregt in den Himmel. Da es für uns vorher dank der Straßenlaternen noch relativ hell war, hatten wir es gar nicht wahrgenommen. Am Himmel leuchteten etwas schwach, aber trotzdem gut erkennbar, Nordlichter. Obwohl wir eigentlich müde waren und uns hinlegen wollten, holte ich noch schnell die Kamera aus dem Van, stellte sie auf das Stativ und knippste mit dem Fernauslöser einige Bilder.

“Heute werden es keine Wolken, die ich fotografiere’, dachte ich und legte los. Bild um Bild verarbeitete die Kamera in der Kälte. Wie lange der Akku hält, weiß ich nicht.

Mit dem Van ans Nordkap - 2 Wochen eisige Kälte und wilde Natur

Nach ungefähr zwanzig Minuten war das Spektakel vorerst vorbei und ich beschloss, dass es zu kalt war um auf weitere Auroren zu warten. Ich packte alles wieder ein und setze mich im Van aufgeregt an den Laptop. Die Entwicklung des ersten Bildes zeigte, es waren definitiv keine Wolken. Eine kurze Unterhaltung mit dem Pärchen auf eine Zigarette zeigte, dass es noch verrücktere Menschen als uns gab. Die beiden waren extra aus Italien nach Alta geflogen, um Auroren zu fotografieren. Die beiden Studenten mussten selbst lachen, als sie mir davon erzählten.

Da wir morgen schon um acht Uhr aufstehen und für das Museum in Alta fit sein wollten, war es nun aber wirklich an der Zeit ins Bett zu gehen. Wir schlossen die Tür vom Van, drehten die Standheizung auf und schon waren wir beide eingeschlafen.

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