Vanlife, die Art wie ich am liebsten reise

Reisen in einem Van, ganz ohne Ziel, nur mit dem was Du wirklich brauchst.

Vanlife ist neu für mich und ich bin noch nie ganz alleine durch die Welt gereist. Aber ich mag Herausforderungen und neue Erfahrungen! Auch wenn niemand verstehen konnte, warum ich das tat. Als ich gefragt wurde, wo ich hin will, hatte ich keine Antwort darauf. Ich wollte einfach den Zündschlüssel rumdrehen und ganz spontan entscheiden wohin die Reise gehen soll.

Alles was mir wichtig war, hatte ich in dem kleinen Van. Zu diesem Zeitpunkt gab es auch noch eine Wohnung, diese Diente aber mehr der Sicherheit und zum Abstellen von Sachen. Gearbeitet habe ich auch damals schon mobil, so dass ich ziemlich flexibel für ein Vanlife aufgestellt war.

Vanlife in einem Opel Vivaro auf einem Wanderparkplatz.

Der kleine Vivaro, den ich mir in zwei Wochen selbst ausgebaut hatte, war nicht sonderlich komfortabel. Er hatte ein einfaches Klappbett, einen kleinen Kühlschrank, eine kleine Küchenzeile mit Waschbecken und Schränke für Klamotten. Das Highlight war die Standheizung, die schon beim Kauf verbaut war. Sie hat in so manch kalter Nacht im Vanlife ihren Beitrag geleistet und auch später bei unserer Reise zum Nordkap, sollte sie zum wichtigsten Accessoire werden.

So stand ich also für meine erste Übernachtung auf einem Parkplatz irgendwo im Süden von Deutschland. Das erste mal im Auto schlafen ist schlimm. Jedes Geräusch ist verdächtig! Man denkt, jeder ahnt, dass da jemand im Auto schläft. Man fühlt sich, als würde man etwas Verbotenes tun.

Mit der Zeit stellt man fest welche Geräusche normal sind und was sie bedeuten. Ebenso stellt man an den erstaunten Gesichtern der Menschen fest, dass niemand davon ausgeht, dass in diesem kleinen Van jemand schläft. Bis ich die Schiebetür und die Heckklappe auf mache und meinen Tag beginne. Eigentlich alles richtig gemacht, denn der kleine Vivaro fiel auf keinem Parkplatz und in keiner Stadt neben all den anderen parkenden Autos auf. Mein Vanlife blieb unentdeckt, doch bis ich all’ diese Erkenntnisse erlangte musste ich aber eine Weile damit unterwegs gewesen sein und einige unruhige Nächte durchstehen.

Hurra, ich lebe noch!

Die erste Nacht im Vanlife hatte ich gut überstanden, ich hatte etwas Probleme einzuschlafen und bin oft aufgewacht, aber ich war entgegen aller Erwartungen noch am Leben. Niemand hatte versucht in mein Auto einzubrechen, niemand wollte mich verschleppen. Eigentlich war es den Leuten scheißegal, dass da ein Vivaro irgendwo auf dem Parkplatz stand. Das zeigten einige Jugendliche am späten Abend eindrucksvoll, als sie direkt neben dem Van mit lauter Musik ein paar Bierchen tranken. Woraufhin sie etwas erschrocken waren, als das Auto plötzlich ansprang und ich mir eine ruhigere Ecke suchte.

Ich wusste zu Beginn meiner Reise ins Vanlife noch nichts von irgend einer App, die speziell für Menschen wie mich gemacht war. Also half mir Google-Maps weiter. Ich schaute einfach auf der Europakarte wo ich noch nie war und fuhr los Richtung Kroatien. Bis zu diesem Zeitpunkt fand ich es immer lustig wenn jemand sagte “Der Weg ist das Ziel”. Aber genau das war es. Der Weg auf dem ich mich befand war das Ziel und ich wollte herausfinden, wie es sich anfühlt kein wirkliches Ziel zu haben. Wie es ist ganz alleine zu verreisen und mit der eigenen Angst zurecht zu kommen. Ich bin auf dem Dorf groß geworden, für uns war schon die nächst größere Stadt ein Abenteuer und nun war ich alleine unterwegs in ein fremdes Land.

Die größte Sorge beim Vanlife bestand während der gesamten Reise weniger darin, ausgeraubt oder verschleppt zu werden. Meine Angst bezog sich meist auf das Auto selbst. Ich machte mir viele Sorgen was bei einer Panne passiert, ob der Motor durchhält oder ich am Ende mitten in der Nacht irgendwo im Nirgendwo mit einem geplatzten Reifen stehe. Eigentlich eine ganz banale Sache, aber es war zu dem Zeitpunkt das, was mich am meisten beschäftigte.

Den eigenen Rhythmus finden

Während ich fuhr und schlief und wieder fuhr und wieder schlief fiel mir auf, dass ich viel zu schnell im Vanlife unterwegs war. Ich fuhr den ganzen Tag um an einem Ort anzukommen. Dann übernachtete ich dort und fuhr am nähsten Vormittag schon wieder weiter. Alleine unterwegs zu sein bedeutet sein eigenes Tempo und seinen eigenen Rhythmus zu finden. Besonders aber bedeutet es mit sich selbst und seinen eigenen Gedanken klar zu kommen.

Dabei ist es ein Lernprozess für sich alleine den Moment zu genießen. An einem schönen Ort ohne eine zweite Person zu verweilen und es einfach zu genießen, dass sonst niemand da war, war mir zu diesem Zeitpunkt mehr als fremd. Irgendwann hatte ich gelernt meine Reise etwas zu entschleunigen und die wundervollen Orte an die ich kam und die Menschen die mir begegneten mehr zu genießen.    

Vanlife, die Art wie ich am liebsten reise

Wenn ich fahre oder es gerade monoton wird, mache ich gerne dumme Scherze. Zu schade wenn diese Scherze aber kein Beifahrer oder Mitreisender hört. Niemand lacht oder unterhält sich während der Autofahrt. So banal es klingen mag, aber das war die Sache die ich zuerst bemerkt habe und die mir während der gesamten Zeit wahnsinnig gefehlt hat. Auf der anderen Seite lernte ich schnell über meine eigenen Witze und Dummheiten zu lachen. Auch Monolog waren mir bisher eher fremd. Der positive Effekt ist aber, dass man so laut und so schief bei den schrecklichsten Liedern mitsingen kann, ohne Angst zu haben, dass sich der Beifahrer gleich aus dem Auto stürzt.

Mit der Zeit im Vanlife entwickelt man seinen eigenen, ganz persönlichen Lebensrhythmus. Am Anfang braucht es Morgenrituale, die man im Vanlife erst einmal finden muss. Der Morgen entscheidet wie gut der Tag wird. Meist war ich sehr früh wach und ausgeschlafen. Es fühlt sich großartig an am Meer zu stehen, um sieben die Heckklappe zu öffnen und den Sonnenaufgang zu beobachten. Mit einem Kaffee in der Hand und noch im Schlafsack liegend, einfach unbezahlbar.

Was für einen Alleinreisenden im Vanlife aus meiner Sicht eine sehr große Herausforderung darstellt ist das sinnvolle Füllen des Tagesprogramms. Durch Städte zu spazieren hat, wenn man alleine unterwegs ist, einen ganz anderen Reiz. Ich möchte nicht behaupten, dass es schöner ist. Ich reise furchtbar gerne zu zweit. Aber alleine hat man die Möglichkeit seinen ganz eigenen Plan aufzustellen. Man entscheidet unabhängig von den Interessen eines Anderen. Wenn ich eine Stadt sehen wollte, habe ich sie mir angeschaut, wenn ich einen ganzen Tag nur im Van sitzen und aufs Meer schauen wollte, dann habe ich mich dafür entschieden. Wenn ich bei bestem Wetter Lust hatte einfach nur im Van ein paar Filme auf dem Tablet zu schauen, war es ebenso gut. Und wenn ich bei Regen einen Spaziergang machen wollte, dann habe ich es eben getan.

Die eigenen Bedürfnisse rücken mehr in den Mittelpunkt und Du tust Dinge nur noch, wann und wenn Du sie wirklich tun möchtest. Du beginnst Dir im Vanlife Fragen zu stellen, was Dir persönlich wichtig ist. Wie oft brauchst Du einen Platz an dem Du länger bleiben kannst, wie viel Tagesprogramm füllt Dich aus, brauchst Du täglich ein Badezimmer oder eine Dusche, vielleicht reicht Dir auch der Sprung ins Meer vollkommen aus. Schläfst Du gerne lange, oder magst Du es früh den Tag zu beginnen? 

All’ diese Fragen, die Du nur Dir selbst stellen musst, bekommen plötzlich Gewicht und Du nimmst dabei auf niemanden, außer Dich selbst, Rücksicht. Vielleicht ist das aber auch nur für mich so besonders, da ich vorher nie in dieser Situation war. Ich war immer in einer Beziehung und bin immer als Paar verreist. Plötzlich steht man mit einem unfassbaren Freiheitsgefühl selbst im Mittelpunkt und das für mich im ersten Moment überfordernd. Das musste ich erst lernen und es war ein langer weg.

Wie sicher man sich im Vanlife fühlt

Anders als auf einem Campingplatz hat man nicht immer ein Badezimmer in der Nähe. Auch der scheinbare Schutz eines eingezäunten Campinggeländes fehlt natürlich vollständig. Bedenkt man aber, wie viele Wohnwagen und Mobile auf Campingplätzen in einer Saison aufgebrochen werden, ist dieses umzäunte Kleinod der Urlaubsreisenden gar nicht so sicher wie man sicher immer einreden möchte. Trotz dieser Tatsache fühlt man sich im ersten Moment etwas verlassen und verletzlich, wenn man alleine in einem kleinen Van auf einem dunklen Parkplatz an irgend einem Waldrand steht.

Vanlife, die Art wie ich am liebsten reise

Die erste Nacht im Van ist wie eingangs beschrieben sehr ungewohnt. Je mehr Nächte vergehen, umso spannender wird das ganze aber und dieses unangenehme Gefühl verschwindet. Tatsächlich gibt es nicht viele Dinge, vor denen man Angst haben muss, besonders wenn man in einem Van schläft. Ich gehe bei der Wahl des Schlafplatzes immer nach einem sehr einfachen Prinzip vor. Wenn mir mein Bauchgefühl sagt, dass ich mich sicher fühle, bleibe ich. Sagt mir mein Bauchgefühl etwas Anderes, fahre ich weiter. Selbst wenn es mitten in der Nacht ist.

In bestimmten Situationen muss man einfach flexibel sein, wenn sich der Platz erst spät als ungeeignet entpuppt. Es ist eben kein Camping und man verweilt anders als bei einem klassischen Campingurlaub nicht für mehrere Wochen an einem Ort, den man dann auch sehr gut kennen lernt. Man ist meist unterwegs und bleibt nur selten mehrere Tage an einem Platz und kennt weder seine Umgebung noch die Geräusche an einem neuen Ort sehr gut. 

Der Vorteil an dieser eher mobilen und wenig stationären Art des Reisens ist zum einen ganz klar die Kostenersparnis. Eine Übernachtung auf einem Campingplatz ist nicht nur in der Hauptsaison ein kostspieliges Vergnügen. Auf der anderen Seite sieht man beim Freistehen Plätze, Orte und Ecken, die man auf einem Campingplatz nie entdeckt hätte. Zudem sind der Nervenkitzel und dieses Stückchen Ungewissheit, wo man die Nacht verbringen und am nächsten Morgen aufwachen wird, ein weiteres Highlight jeder Reise. Selbstverständlich muss man dieses Gefühl mögen und auch diesen kleinen Nervenkitzel schätzen lernen.

Die perfekte Art des Reisens in einem Van

Ich glaube viele würden mir zustimmen, dass eine “ideale Variante” des Reisens als festes Kriterium im Sinne von “So werde ich immer reisen”, nicht existiert. Vieles ist von der momentanen Gemütslage, dem was man erleben möchte oder auch dem Geld was man zur Verfügung hat abhängig. Mit Gewissheit kann ich sagen, dass Campingplätze und All-Inklusive-Hotels nicht mein Geschmack sind. Aber ich kann sowohl der Übernachtung in Hostels bei Städtereisen, dem Backpacking oder eben dem Reisen im Van sehr viel abgewinnen.

Bei der hier beschriebenen Reisevariante im Van besteht der Vorteil ganz klar darin, dass man mit einem Auto sehr flexibel an bestimmte gelangt und dabei immer einen gewissen Komfort zur Verfügung hat. Während man beim Backpacking auf einige Dinge wegen des Gewichts verzichten muss und beim Aufenthalt im Hostel zumindest für eine gewisse Zeit lokal gebunden ist, hat man mit dem Van die meisten persönlichen Gegenstände dabei und ist immer in höchstem Maße flexibel.

Wenn es mir an einem bestimmten Ort nicht mehr gefällt fahre ich weiter und wenn ich gerne noch einen Tag bleiben mag, dann kann ich das ebenso frei entscheiden. Durch das Freistehen muss ich mich dabei nicht einmal an die An- und Abreisezeiten eines Campingplatzes halten und bin einzig durch meine Motivation geleitet.

Alleine oder mit Partner

Auch wenn das Alleine-Reisen für mich eine Erfahrung war, die ich unbedingt sammeln wollte, reise ich viel zu gerne mit einem Partner. Ich mag es sich unterwegs austauschen zu können, zusammen zu planen und Eindrücke und Erfahrungen gemeinsam zu sammeln. Während man in einem Hostel sehr schnell Anschluss zu anderen Menschen findet, ist es im Van nicht immer ganz so einfach.

Vielleicht lag es aber zu dieser Zeit auch etwas an mir selbst, da ich eigentlich gerne für mich alleine bleiben wollte. Trotzdem würde ich das Reisen zu zweit immer vorziehen und habe auch wenig Probleme mich auf mein Gegenüber bei verschiedenen Dingen einzustellen. Gehe ich also nach meiner derzeitigen Gemütslage ist für mich das gemeinsame Reisen im Van die Form, die mir am besten gefällt und sicherlich viele Urlaube oder sogar mein Leben füllen wird.

Soviel zu meinen persönlichen Erfahrungen, besonders aus der Anfangszeit im Vanlife. Hast Du bei Deinen Reisen andere Erfahrungen gesammelt oder möchtest gerne Deine liebste Art des Reisens teilen, dann schreib es doch einfach in die Kommentare. Ich würde mich sehr freuen zu sehen, wie Du Deine Urlaube oder Deine Freizeit verbringst.

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