Van selbst ausbauen. Kein Urlaub sondern Vollzeitvanlife.

Wie wir in einen Van zogen und nun vollzeit darin leben. Wir haben gewagt wovon andere nur reden.

Afri kocht im Van

Was für den einen wie ein absoluter Lebenstraum klingt, ist für andere eine Horrorvorstellung. Vollzeit in einem Van wohnen und dabei das gesamte Leben auf diesem winzigen Raum organisieren. Genau genommen sogar das Leben zweier Erwachsener und eines kleinen Hundes (Nachtrag stand Aug 2020: Inzwischen haben wir uns wegen unserer Jobs für zwei Vans entschieden).

Die Idee zu alle dem entstand spontan. Wie das mit Hirngespinsten ebenso ist. Sie ergeben nur dann Sinn, wenn sie aus einem Impuls heraus in Angriff genommen und entgegen aller Risiken umgesetzt werden. Und genau so ergab es sich, dass wir uns kurz nach der Nordkap-Reise überlegten, zusammen zu ziehen. Aber die Idee diesen Schritt in einen Van zu machen kam erst etwas später.

Du lernst Deinen Partner erst richtig kennen, wenn Du lange auf engstem Raum gelebt hast

Wenn Du einmal zwei Wochen bei eisigen Temperaturen zu zweit in einem kleinen Opel Vivaro durch Nordeuropa gereist bist, dann weißt Du ob es mit Deinem Partner auch für längere Zeit auf kleinstem Raum harmoniert. Unsere Reise ans Nordkap hatte uns gezeigt, dass wir ganz gut unter eher ungünstigen Bedingungen miteinander auskamen. Allerdings war der ursprüngliche Plan eine gemeinsame Wohnung zu finden und in der Freizeit etwas zu reisen.

Wir machten uns also dran die unzähligen Inserate auf dem Wohnungsmarkt zu studieren. Es verging in über 4 Wochen kaum ein Tag, an dem wir nicht im Umkreis unserer beider Arbeitsplätze Anzeigen lasen und verschiedene Vermieter für eine Besichtigung kontaktierten. Wir suchten eine Wohnung in mittlerer Preisklasse für zwei Personen und einen Hund.

Was soll ich sagen? Ganz gleich was wir uns anschauten, nichts entsprach wirklich unserer Vorstellung. Außerdem ist die Wohnungssuche mit Hund nicht ganz so einfach, wie man es vielleicht glauben mag. Wir mussten an allen Ecken Abstriche bei der Lage, der Umgebung oder der Aufteilung der Wohnung selbst machen. Hinzu kamen Besichtigungen, bei denen man zum Termin mit 40 anderen Wartenden in Fünfer-Gruppen durch das Mietobjekt geschleust wurde. Im Anschluss erhielt man ein Formular auf dem man gefühlt von der Schuhgröße bis zur Farbe der Unterwäsche blank ziehen musste. Kathy hat ein paar Runden dieser Mietschlachten mitgemacht, ich habe es mir einfach direkt erspart.

Spontane Entscheidung: Wir ziehen einfach in einen Van.

Nach einem Besichtigungstermin saß Kathy auf der Couch und sah furchtbar nachdenklich aus. Ich hatte mich irgendwie schon seit zwei Wochen mit dem Gedanken beschäftigt, ob es nicht an der Zeit wäre einen lange gehegten Traum in die Realität umzusetzen, hatte es aber nie angesprochen. Als ob Sie meine Gedanken in diesem Moment gehört hätte schaute sie mich an und sagte: “Was hältst Du davon, wenn wir einfach in einen Van ziehen?”

Um ehrlich zu sein hätte ich vermutlich vor ein paar Jahren jeden für verrückt erklärt, der seine Wohnung oder sein Haus aufgibt um in einem Van zu leben. Im Vergleich zu einer Wohnung gibt es auf den ersten Blick nichts, was diese Entscheidung auch nur annähernd attraktiv machen könnte. Kein fester Wohnsitz, dem Wetter in heiße Sommer und kalte Winter eher schutzlos ausgesetzt und überhaupt ist es genau genommen so etwas wie Obdachlosigkeit.

Während wir die ganzen negativen Merkmale schnell verdrängt hatten, kamen die ersten positiven Überlegungen zu unserer Idee. Wir stellten relativ fest, dass die positiven Aspekte aus unserer Sicht überwogen. Es hat nur knapp zwei Tage gedauert, bis wir aufgrund unserer theoretischen Planungen nicht mehr nach einer Wohnung sondern plötzlich nach einem geeigneten Fahrzeug für unseren tollkühnen Plan suchten.

Da das Ganze natürlich auch bezahlt werden musste, fingen wir an zu rechnen. Bei einer Mietwohnung mit 1000€ Warmmiete bezahlt man jährlich 12000€. Eine bis hierhin einfache Rechnung. Da wir zu zweit wohnen würden (der Hund zahlt leider nichts zur Miete dazu) bedeutete das einen Kostenaufwand von 6000€ jährlich pro Person. Bei dieser Rechnung bestand für uns der unsinnige Teil darin, dass wir weder eine geeignete Wohnung für das Geld fanden und auch durch die Miete selbst kein Eigentum erwerben konnten. Alles was wir für 12000€ im Jahr bekamen, waren Kompromisse und das Gefühl man verliert einfach Geld, was man besser hätte investieren können.

Während uns von verschiedenen Seiten (Familie, mein Arbeitgeber dem ich ziemlich schnell meine bekloppte Idee erzählt habe) zu einer Eigentumswohnung oder einem Tiny-House geraten wurde, waren wir schon mitten in der Suche nach einem Van, den wir selbst ausbauen konnten. Mit unserer ersten Vorstellung landeten wir bei einem teilintegrierten Wohnmobil, welches mit Neupreis um die 60000€ kosten sollte. Dies bedeutet einen monatlichen Abtrag über ca. 6-7 Jahre in der Höhe der kalkulierten Miete, die wir für eine Wohnung hätten aufbringen müssen. Also ca. 1000€. Ein entscheidendes Merkmal bei dieser Überlegung, das Wohnmobil würde nach dieser Zeit auch tatsächlich uns gehören.

Die Qual der Wahl bei der Suche nach einem neuen Zuhause auf vier Rädern

Ich glaube wir kannten zu diesem Zeitpunkt jedes Video auf Youtube, was auch nur in irgend einer Weise einen Van oder ein Wohnmobil vorstellt. Wir haben sie alle gesehen und wurden sehr überrascht wie es sich anfühlt, wenn man dann tatsächlich in einem Camper steht. Die Vorstellung aus den Videos entsprach gar nicht der Realität, die wir aber bis dahin auch nur aus Youtube kannten. Bei einem Händler konnten wir verschieden Varianten auch von innen besichtigen.

Es fühlt sich in der Realität deutlich anders an, als wenn man den Innenraum eines Campers mit einem passenden Objektiv auf der Kamera größer wahrnimmt. Bei der Besichtigung von fertig ausgebauten Pössels, Clevers und sonstigen Kastenwagen wurde sehr schnell klar, dass es ungünstig ist, wenn man mit der Hüfte zwischen Küche und Bad stecken bleibt. Auch wirkte diese Variante für unseren Geschmack durch das gesamte Raumgefühl viel zu beengend. Alles in allem entsprachen aber auch die fertig ausgebauten teilintegrierten Wohnmobile nicht unserer damaligen Vorstellung von Vanlife. Wer fährt schon mit einem teuren Wohnmobil irgendwo auf engen Wegen durch einen Wald und läuft Gefahr sich alles zu verkratzen?

Van selbst ausbauen. Kein Urlaub sondern Vollzeitvanlife.

Als wir dennoch überlegten uns ein so teures Wohnmobil anschaffen zu wollen, flüsterte plötzlich eine Stimme: “Halt, denkt doch mal nach. Ihr seid über 6 Jahre an die Rückzahlung gebunden. War nicht Unabhängigkeit euer Traum?”

Die innere Stimme hatte recht. Der Grund warum wir uns für diese Art des Wohnens entscheiden wollten, war der Zugewinn an Freiheit und Unabhängigkeit. Jetzt waren wir drauf und dran uns erneut für extrem lange Zeit von etwas abhängig zu machen, was uns für die nächsten Jahre zumindest an ein bestimmtes Einkommen binden würde. Auch wenn wir von dem Komfort eines Wohnmobils sehr angetan waren und es einen Moment dauerte die Vorstellung und den Traum vom Luxus in einem solchen Gefährt abzuschütteln fanden wir für unser Vorhaben die geeignete Lösung.

Der neue Plan für unser Leben im Van lautete: SELBSTAUSBAU

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