Beziehungskiller Vanlife?

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Ist Vanlife ein Beziehungskiller oder lösen sich alle Probleme durch die schönen Orte, wunderbaren Strände und tollen Dinge, die man zusammen erlebt einfach in Luft auf? Ist es vielleicht im Vanlife sogar einfacher oder besser eine Beziehung zu führen? Wir haben uns ein paar Gedanken gemacht was die größten Herausforderungen an eine Beziehung im Vanlife sind.  

Der Ausgangspunkt für die meisten Paare dürfte wohl sein, dass sie sich schon eine Weile vor dem Start ins Vanlife kennen lernen konnten. In vielen Fällen haben sie bereits in einer gemeinsamen Wohnung gelebt und eine Möglichkeit gefunden Konflikte sinnvoll und zielorientiert zu lösen. Wenn das im Vorfeld noch nicht der Fall war, dann ist ein gemeinsames Leben in einem Wohnmobil die Feuertaufe. Im schlimmsten Fall das Ende der Beziehung. 

Idealerweise hat man sich schon vor dem Zusammenziehen in einem Wohnmobil auf weniger engem Raum mit den Eigenheiten seines Partners beschäftigt. Je besser sich beide kennen, dafür ist die Zeit einer Beziehung nicht wirklich relevant, umso besser werden sie später miteinander klar kommen. 

Ebenso sollte man sich im Vorfeld darüber im Klaren sein, dass auch im Vanlife nicht jeder Tag „heiter Sonnenschein“ ist. Besonders wenn Probleme auftauchen, die gemeinsam gelöst werden müssen, ist es wichtig, dass beide gut zusammen arbeiten. Häufig entstehen unerwartete Probleme. Besonders Zwischenfälle mit dem Fahrzeug, was auch gleichzeitig das Zuhause ist, testen die Belastbarkeit enorm.

Im besten Fall meistert man jegliche Herausforderungen im Vanlife gemeinsam und schafft es daran gemeinsam zu wachsen. Dazu müssen aber auch beide bereit sein, sonst wird Vanlife zum Beziehungskiller.   

Wie lebt man in einem Wohnmobil oder Campervan zusammen?

Ich möchte an dieser Stelle gar nicht auf Gerüche oder Geräusche eingehen, wenn man zusammen in einem Fahrzeug lebt. Grundlegend muss man gegenüber seinem Partner wesentlich toleranter werden. 

Wer dauerhaft Zeit im Van und der Natur verbringt wird ohnehin schnell feststellen, dass sich die Geruchswahrnehmung grundlegend ändert. Besonders auffällig ist das, wenn man nach längerem Freistehen in der Stadt einkaufen geht und die Gerüche der verschiedenen Parfums als unangenehm wahrnimmt.

Auch sollte man damit rechnen, dass einer von beiden krank wird. Je nach Situation kann auch das sehr anstrengend sein. Gängige Szenarien sind Magen-Darm-Erkrankungen, Grippe oder starke Erkältung. Je nachdem wie empfindlich jemand, besonders gegenüber wechselnden Temperaturen ist, kann sich die Häufigkeit bei solchen Szenarien entsprechend steigern. 

Ohne zu bildhaft in der Darstellung zu werden, solltest Du Dir dennoch überlegen ob es für Dich vorstellbar ist zu zweit, während einem Magen-Darm-Infekt bei schlechtem Wetter, zusammen in einem Fahrzeug „eingesperrt“ zu sein. Im schlimmsten Fall wird spätestens hier Vanlife zum Beziehungskiller.

Wenig Platz für 2 Personen

Neben diesen Zwischenfällen ist es natürlich in erster Linie das Platzangebot im Fahrzeug, was viele an ihre Grenzen bringt. Die überwiegende Zahl der Van-Reisenden, die wir kennen oder kennen lernen durften, reisen in einem Wohnmobil oder einem anderen Fahrzeug zusammen. 

In dieser Konstellation teilt man sich ca. 8-10qm auf denen sich ein großer Teil des Alltags abspielt. Vom Aufstehen bis zum Schlafengehen verbringt man die Zeit meist sehr nah beieinander. Solange das Wetter gut genug ist, hat man natürlich ausreichend Platz und kann auch nach draußen auszuweichen. 

Sobald man aber in Richtung Vollzeit Vanlife geht, gehören kalte, regenreiche Tage oder sogar Wochen ebenso zum Alltag. Spätestens hier stellt sich die Frage ob die Beziehung das mitmacht oder die Enge zum Beziehungskiller wird. Einfach mal in die Küche rennen und etwas aus dem Kühlschrank holen? In vielen Fällen steht der Partner gerade im Weg oder ist selbst mit etwas beschäftigt und muss Platz machen. 

Außerdem kann das „Aufeinanderhocken“ über einen langen Zeitraum irgendwann zu Lagerkoller führen und für Spannungen sorgen. Somit haben wir begonnen einige Ausweichmöglichkeiten zu schaffen, die auch bei schlechtem Wetter Nutzbar sind. Ein Stehzelt, bzw. Pavillon erschien uns hier die beste und preiswerteste Option.

Damit Vanlife nicht zum Beziehungskiller wird ein Pavillon von Decathlon als Erweiterung des Wohnraums vor dem Wohnmobil mit Heizung und Beleuchtung

Kommunikation, damit Vanlife nicht zum Beziehungskiller wird

Während man in der gemeinsamen Wohnung bei einem Streit im besten Fall zur Familie oder den Kumpels verschwinden konnte, um den Streit etwas abkühlen zu lassen, ist man im Vanlife meist nur zu zweit. 

Dein Beziehungspartner ist im Vanlife nicht nur Dein Reisebuddy, Freund, Seelsorger, Motivator etc. er oder sie ist der Mensch, der Dich besser kennen lernen wird, als Du Dich vielleicht selbst kennst. Mit allen Ecken und Kanten, Eigenheiten, guten und schlechten Momenten. Besonders bei einem Streit ist es wichtig am besten schon zu Beginn des gemeinsamen Zusammenlebens in einem Van, eine Strategie zu entwickeln, solche Situationen auch ohne Ausweichmöglichkeit zu deeskalieren. Ein kurzer Spaziergang ist hier immer eine gute Idee, sofern die Wetterlage es zulässt.

Ganz egal, wie für Dich die Strategie aussieht, um Streitigkeiten schnell schlichten zu können, der Schlüssel um miteinander klar zu kommen, ist Kommunikation. Besonders unangenehme Themen lässt für gewöhnlich gerne mal auf sich beruhen. Der Nachteil besteht natürlich darin, dass sich solche Themen dann schnell anstauen und im Gesamtkontext steigern können.

Auch wenn das Totschweigen vielleicht in einem „normalen“ Leben manchmal ganz gut funktioniert, im Vanlife wird es schwierig, da Du 24/7 zusammen verbringst. Es ist wichtig genau diese Dinge, die Dich beim Zusammenleben stören zu thematisieren und Lösungen dafür zu finden. Es ist ebenso wichtig offen miteinander auch über unangenehme Dinge sprechen zu können und gemeinsam daran zu arbeiten, dass für beide das Leben im Van funktioniert. Sobald man bestimmte Dinge thematisiert hat, stellt man fest dass ein Lösungsansatz meist sehr einfach zu finden ist.

Persönliches Beispiel zum Thema Beziehungskiller im Vanlife

Um etwas aus dem sehr theoretisch klingendem Ansatz heraus zu gehen, ein Beispiel von uns:

Ich (Alex) bin besonders wenn ich arbeite zum Teil extrem konzentriert und brauche oft sehr viel Ruhe. Kathy ist gegenüber Lärm, besonders wenn die Hunde bellen oder jemand im Van sein eigenes Zeug macht relativ resistent. Das hat am Anfang, besonders als wir noch zusammen in einem Van gereist sind, oft zu Konflikten geführt. Ich war extrem überfordert, da ich permanent das Gefühl hatte niemand nimmt Rücksicht auf mich und Kathy konnte nicht so recht verstehen, warum mir die Umgebungsgeräusche so viel ausmachen. Diese Situation konnten wir erst lösen, als wir offen darüber gesprochen haben. 

Wir haben uns in der Mitte getroffen. Kathy hat gelernt etwas mehr Rücksicht zu nehmen und weiß nun, dass ich in bestimmten Situationen konzentriert arbeite. Ich habe gelernt resistenter gegenüber Ablenkungen zu werden. Für den Ernstfall habe ich mir einfach gute Kopfhörer besorgt, die ich aufziehe und dann die Umgebungsgeräusche sehr gut ausblenden kann. Eine sehr einfache Lösung für ein Problem, was oft zu Streitigkeiten geführt hat.   

Warum wir uns nach einem Jahr für eine Zwei-Van-Lösung entschieden haben?

Als ich nach einem Jahr Vanlife vorgeschlagen habe auf zwei Fahrzeuge umzusteigen war Kathy überhaupt nicht begeistert. Für sie erschien es im ersten Moment so, als würden wir uns damit trennen. Aus meiner Sicht war es aber mehr der Beziehungsretter, als der Beziehungskiller, wenn wir uns für das Vollzeit Vanlife eine 2-Zimmer-Wohnung auf Rädern gönnen.

Machen wir uns nichts vor, es ist teurer. Doppeltes Tanken, doppelte Versicherung für die Fahrzeuge, doppelte Maut auf bestimmten Straßen usw., aber das ist nur Geld. Wenn man sich entscheidet wirklich Vollzeit in einem Fahrzeug zu leben, reisen und arbeiten, dann ist dieses Fahrzeug nicht nur für eine Saison oder ein Reiseabenteuer Dein Zuhause. Alles was Du hast befindet sich in dem Fahrzeug und je länger Du unterwegs bist, umso mehr entsteht das Gefühl auch „normal“ leben zu wollen. Nur eben mobil.

Tatsächlich wurde es mir irgendwann zu unbequem über einen so langen Zeitraum diesen sehr geringen Platz durch zwei teilen zu müssen. Ebenso gehöre ich zu den Menschen, die auch im Vanlife die Möglichkeit brauchen auch mal ungestört für sich sein zu können und das ohne, dass jemand einen längeren Spaziergang einplanen muss. Auch wenn die Zwei-Van-Lösung durchaus Nachteile hat, die aber meist auf der Kostenseite liegen, überwiegen bisher nach weiteren 3 Jahren reisen, die Vorteile.

Jeder hat die Möglichkeit auszuweichen, jeder hat einen eigenen Raum für sich um sich zu entfalten. Jeder hat sein eigenes Ordnungssystem, jeder die Möglichkeit zu dekorieren wie es der persönlichen Vorstellung entspricht. Bei einem Streit kann man sich einfach zurückziehen, manchmal fahren wir sogar eine Woche getrennt um sich mal wieder zu vermissen.

Da wir eben nicht nur reisen, sondern auch arbeiten und ansonsten trotz unserer Mobilität einen regulären Alltag mit ähnlichen Bedürfnissen wie in einer Wohnung haben, haben wir so unsere Ideallösung für ein funktionierendes Vanlife gefunden.

Ebenso ist die hinzugewonnene Unabhängigkeit im Hinblick auf das Freiheitsgefühl nicht zu unterschätzen. Aus meiner Sicht ist eine Beziehung dann am besten, wenn beide zu jeder Zeit die freie Wahl haben zu gehen, aber trotzdem zusammen bleiben. 

Fazit zur Frage ob Vanlife ein Beziehungskiller ist

Ich würde sagen JA und NEIN. Im Vanlife hängt alles davon ab, wie man miteinander umgeht und wie man auf die individuelle Entwicklung des Gegenübers reagiert. Wer den Schritt ins Vollzeit Vanlife wagt wird sehr bald feststellen, dass sich die ursprünglichen Vorstellungen und Bedürfnisse verändert haben. Man lernt sich und seinen Partner sehr gut kennen. Wenn man es schafft seine eigenen Bedürfnisse ausleben zu können und den Partner ebenso sein lässt wie er oder sie ist, dann hat man sehr gute Chancen, dass die Beziehung besser wird als es jemals in einer „normalen“ Wohnung hätte sein können.

Vanlife wird aus meiner Sicht dann zum Beziehungskiller, wenn man an Idealvorstellungen festhält. Im schlimmsten Fall so, wie sie auf Instagram gezeigt werden. Nirgends steht geschrieben, dass man als Paar nicht in zwei Vans reisen darf. Niemand hat festgelegt, dass Beziehung im Van bedeutet, dass niemand auch sein eigenes Ding machen kann sondern man zu einer Vanlife-Paar-Masse verschmelzen muss.

Wer sich für Vanlife entschieden hat, hat sich für eine persönliche Lebensreise entschieden. Wer den Schritt ins Vollzeit Vanlife gegangen ist, hat sich darüber hinaus von sehr vielen persönlichen Dingen getrennt und den Fokus für das was ihm/ihr im Leben wichtig ist verschoben.

Somit kann mein Rat an dieser Stelle nur lauten, wenn Du das Gefühl hast, dass Vanlife zum Beziehungskiller werden könnte, versuch doch einfach einmal den Blickwinkel anzupassen. Vielleicht gibt es eine Möglichkeit, wie z.B. die Zwei-Van-Lösung, damit beide ihren Traum verwirklichen können, die Beziehung dabei aber nicht zerstört werden muss. 

*Letzte Aktualisierung am 4.02.2023 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API

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